Wildpoldsried im Allgäu, das sich selbst versorgt mit erneuerbaren Energien.

Der Solarverein Weissacher Tal – Backnanger Bucht – Welzheimer Wald (WBW) veranstaltet jedes Jahr eine „Solarreise“ zu beispielhaften Orten, von denen wir Winterbacher viel lernen können. In der Gemeinde Wildpoldsried ist Klimaschutz und Energie-Unabhängigkeit seit Jahren groß geschrieben. Kein Wunder also, dass sich Wildpoldsried mit einer Menge Umwelt- und Klimaschutz-Preise schmücken darf.

„Unsere Pilotprojekte wurden zwischenzeitlich vielfach kopiert, weil sie sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile für Gemeinden, Privatpersonen und Firmen bringen und somit übertragbar und nachhaltig sind“, so Bürgermeister Zengerle selbstbewusst bei der Begrüßung.

„Wir in Wildpoldsried haben einige Idealisten, denen wir es verdanken, dass in Wildpoldsried regenerative Energien in einer großen Bandbreite erzeugt werden. Aus der Landwirtschaft kommen vorbildliche Aktivitäten und ortsansässige Unternehmen ergänzen diese Palette durch innovative Produkte und Dienstleistungen“. Windenergie gehört in der Allgäuer Gemeinde zum gewohnten Erscheinungsbild. Sonnenkollektoren und Photovoltaik­anlagen schmücken viele Dächer. Bauern erzeugen Strom aus Biomasse, und drei kleine Wasserkraftwerke liefern zuverlässig Strom.

Bürgerwindanlagen in Wildpoldsried

Bürgerwindanlagen in Wildpoldsried

Wie der Bürgermeister weiter berichtete, laufen die beiden ersten Windräder schon seit dem Jahr 2000. Inzwischen sind es fünf Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund sieben Megawatt – alle geplant durch den Landwirt Wendelin Einsiedler – die im Jahr ca.12.000.000 kWh Strom erzeugen und Gewerbesteuererträge in die Gemeindekasse spülen. Einsiedler ist überzeugt:  „Nur durch erneuerbare Energien können wir unseren Wohlstand und Komfort gegenüber der Schöpfung und den nächsten Generationen verantworten“. Die durch Wind erzeugte Strommenge ist schon mehr als doppelt so groß wie die in der Gemeinde verbrauchte Strommenge(ca. 5.600.000 kWh pro Jahr). Dadurch werden jährlich ca. 12.000.000 kg CO²- Ausstoß vermieden. Zur Finanzierung der Windanlagen konnten Wildpoldsrieder Bürger sich mit Eigenkapital an dafür gegründeten Projekt – Gesellschaften beteiligen.

Neben den Windrädern, die die Reisegruppe am Nachmittag besichtigt hat, sieht man im Ort viele Solarwärme- und Fotovoltaikanlagen. Dies wurde neben privaten Initiativen auch durch vier „Wildpoldsrieder Solaraktionen“ unterstützt, wobei schon bei der ersten Aktion „Gemeinsamer Solareinkauf“ im Sommer 2002 insgesamt 224 m² Kollektoren (18 thermische Anlagen) neu installiert wurden. Im folgenden Jahr ging es weiter mit Fotovoltaikanlagen. Inzwischen gibt es 190 Fotovoltaikanlagen mit 3300 kWp und 140 thermische Solaranlagen mit ca. 1900 m². Neben privaten Dächern wurden auch die kommunalen Gebäude mit Fotovoltaikanlagen belegt, wobei mit 147 kWp auf der neuen Sporthalle die größte Anlage installiert ist. Seit Februar 2005 ist die Gemeinde Wildpoldsried bei der Solarbundesliga dabei und erreichte als Senkrechtstarter damals sofort den bundesweit 8. Platz. Weil andere Orte aufgeholt haben, liegt Wildpoldsried nun bundesweit auf Platz 38.

Wildpoldsried nutzt neben der Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenenergie auch alle Möglichkeiten, Energie zu sparen und mit Energie Geld zu verdienen. Bürgermeister Zengerle wies in diesem Zusammenhang auf die „Schwaben-Mentalität“ seiner Allgäuer Mitbürger hin: „Wir machen nur, was sich rentiert und was den Bürgern und der Gemeinde finanziellen Nutzen bringt“.

Holzpellets-Heizungsanlage

Holzpellets-Heizungsanlage

Beispielsweise die „Dorfheizung“: In Wildpoldsried wurde im Jahr 2005 eine Holzpelletsheizung mit Nahwärmenetz für alle öffentlichen und einige private Gebäude gebaut und in den folgenden Jahren mehrfach erweitert. Das Ziel war, alle veralteten Ölheizungen in den eigenen Gebäuden durch eine zentrale Holzheizung zu ersetzen. Begonnen wurde mit einer Heizzentrale mit 400 KW Leistung im Untergeschoss eines günstig in der Mitte des Orts liegenden Gebäudes. Inzwischen wird der Aufbau von Wärmenetzen auf die ganze Gemeinde ausgedehnt, denn es kann dafür sehr vorteilhaft auch die Abwärme der Blockheizkraftwerke von mehreren Biogasanlagen genutzt werden.

 

Biogas - Blockheizkraftwerk (BHKW)

Biogas - Blockheizkraftwerk (BHKW)

Bürgermeister Arno Zengerle und seine zahlreichen Mitstreiter bringt die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde nicht nur durch die Förderung der Energieinvestitionen voran – inzwischen betragen diese rund 23 Millionen Euro allein aus der Kommune und schaffen sichere Arbeitsplätze vor Ort. Energieeinsparung bei der Straßenbeleuchtung und beim Wildpoldsrieder Naturbad, dessen Kosten ein Drittel unter dem Durchschnitt liegen, sind weitere Beispiele.

Zum Schluss berichtete Bürgermeister Arno Zengerle mit Stolz, dass die Firma Siemens zusammen mit dem Stromversorger Allgäuer Überlandwerke und der RWTH Aachen Wildpoldsried für einen Versuch ausgewählt hat, in dem getestet wird, wie durch Wind- und Sonnenenergie zeitweilig auftretender Stromüberschuss und Strommangel ausgeglichen werden kann. Zu diesem Zweck wird eine größere Zahl Elektrofahrzeuge zur Verfügung gestellt, deren Batterien als Zwischenspeicher für Strom genutzt werden können. Intelligente Messmethoden, Ausgleichs- und Speichermöglichkeiten sollen getestet werden. Wegen der großen Zahl von regenerativen Stromeinspeisern ist Wildpoldsried für einen solchen Versuch besonders geeignet.

Solche „leuchtende“ Beispiele wie Wildpoldsried machen uns in Winterbach Mut, unser Projekt „Winterbach versorgt sich selbst mit erneuerbaren Energien“ weiter zu verfolgen.

Weitere Infoformationen:

Bericht von Hanne Barth (WBW)  –  Bearbeitung für FEEWi  von Frank Ammann

FEEWi-Webseite : www.feewi.de und  FEEWi-Telefon  07181 75181