Solarstammtisch zur Photovoltaik und Stromspeicherung mit dem grünen Pionier Kurt Abele aus Alfdorf

Beim gut besuchten Solarstammtisch  am 12. April 2012 ging es um die weitere Entwicklung der Photovoltaik im Zeichen der Energiewende. Herr Abele äußerte in seinem lebendigen und anregenden Vortrag Gedanken, die mit oft zu hörenden Vorurteilen aufräumten.

So etwa die Ansicht, dass sich die Photovoltaik nach den Kürzungen der Bundesregierung nicht mehr rentiere. Im Gegenteil, demnächst wird der selbst erzeugte Solarstrom mit unter 20 Cent je Kilowattstunde  billiger als der von den Energieversorgern gekaufte Strom für 25 Cent je Kilowattstunde. Das beeindruckt selbst die großen Energieversorger langsam. Trotz der Kürzung der Einspeisevergütungen sieht Herr Abele wegen der geringeren Kosten für die Solarmodule (im Jahr 2006 je Kilowattpeak 5000 € und heute 2000 €) eine Netto-Rendite von 5 %. Selbst nach Norden ausgerichtete Solaranlagen haben mit 60 – 65 %  von 1000 KWh im Jahr noch eine lohnende Rendite. Im sonnenreichen Jahr 2011  wurden  sogar Erträge von fast 1300 KWh je Kilowattpeak erreicht.

Die ökonomische Rendite ist das eine („da bin ich Schwabe – es muss sich rechnen“), aber die ökologische Rendite sollte uns genauso wichtig sein. So liefert eine 4 KWp – Anlage in 20 Jahren  ca. 72 000 KWh Stromertrag, erspart der Umwelt 54 000 Kg an CO2 – Emission bzw. 22 000 Liter Öl. Dafür lohnt sich die Investition.

Oder die Behauptung, dass die erneuerbaren Energien die Netze zum Zusammenbrechen bringen und wie gering ihr Beitrag zur Energiewende sei. Man schaue sich doch dazu die kalten Tage im Februar 2012 an. Von Netzzusammenbruch keine Spur. Die eine Million PV-Anlagen in Deutschland lieferte Strom im Gigawatt-Bereich und glichen die geringeren Gaslieferungen aus Russland aus, erlaubten sogar den überschüssigen regenerativen Strom an die Franzosen zu exportieren, die dafür bis zu 2 € je Kilowattstunde bezahlten. Es gibt keine Netzprobleme, wenn dezentral und verbrauchernah regenerativer Strom auch mit den anderen erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Biomasse usw. erzeugt wird. Es würde für die großen Energieversorger deshalb an „Anarchie“ grenzen, wenn künftig 3 Millionen Bürger ihren Strom zu 20 % selbst erzeugten.  Deshalb verlege Herr Abele sich neben der Photovoltaik auch auf Kleinwindkraftanlagen, Kleinwasserkraftanlagen und die Speicherung des erzeugten Stroms, um in der Zukunft 70 % des Stroms regenerativ zu erzeugen.

Durch ein intelligentes Stromnetz („Smart Grid“) lassen sich die Produktion, Einspeisung und Stromentnahme steuern, obwohl z.B. die Einspeisung dauernd schwankt.  Strom kann gespeichert werden durch eine Biomasseanlage mit Speicherkuppel. Geht das Angebot an Sonnen- oder Windenergie zurück, dann speisen z.B. Blockheizkraftwerke den fehlenden Strom wieder ein.

Die Stromerzeugung kann mit einem See verglichen werden, der viele Zuflüsse hat und es wird an vielen Stellen Wasser entnommen. Auch mit langen Leitungen zur Stromentnahme und entsprechenden Verlusten wird die erforderliche Netzspannung aufrechterhalten.

Das intelligente Stromnetz (Smart Grid)

Das intelligente Stromnetz (Smart Grid)

Das wichtigste Anliegen von Herrn Abele ist die 100-prozentige Stromversorgung  durch erneuerbare Energien mit Sonne, Wind, Wasser und Biomasse („Der Mix macht’s „). Dazu betrachtet er den Eigenverbrauch und die Speicherung von Strom. Beide verringern die  durchgeleitete Strommenge im Netz und tragen zu seiner Stabilität bei.

Beispielsweise lieferte eine PV-Anlage mit 3,6 KWp  im März 2012 täglich durchschnittlich 14 KWh Strom, wovon 10 KWh eingespeist wurden und 4 KWh in den Eigenverbrauch gingen. Für die Zeit außerhalb der PV-Erzeugung wurden täglich 5 KWh vom Stromversorger bezogen. Ließen sich diese 5 KWh speichern, dann wäre der betrachtete Haushalt zu 100 % Selbstversorger.

Erzeugung, Verbrauch und Eigenverbrauch an einem wolkenlosen Sommertag (Vier-Personen-Haushalt und PV-Anlage mit 5 kW Peakleistung)

PV-Erzeugung, Verbrauch und Eigenverbrauch an einem wolkenlosen Sommertag (Vier- Pers.-Haushalt und 5 kWp) - Quelle: SMA Solar Technology AG unter: http://www.sma.de/de/produkte/knowledgebase/gewerblicher-eigenverbrauch-von-solarstrom.html

Beim selbst erzeugten Solarstrom sind 25 % Eigenverbrauch und 75 %  Einspeisung in das Netz im Durchschnitt üblich.  Durch die Speicherung erhöht sich der Eigenverbrauchsanteil und verringert den Verbrauch außerhalb der Sonnenstunden .  Allerdings sind die Speicher noch recht teuer. Ein Speicher mit 10 KWh Kapazität kostet ca. 8000 € und reicht für die Speicherung von 5 KWh, weil die Batterien höchstens auf 50 % ihrer Kapazität entladen werden sollten. Zur Verwendung kommen Blei-Gel-Batterien, deren Technik in einer Million von Autos zum Einsatz kommt, also ökologisch nicht problematischer  sind als die Autobatterien. Speicher sind aber auch Elektrofahrzeuge,  Wärmepumpen  oder  die Wasserstoffherstellung z.B. beim Sabatier-Prozess.

Herr Abele beendete seine interessanten Ausführungen mit Optimismus für die künftige Entwicklung der erneuerbaren Energien. Er sieht bei der Elektro-Mobilität und der Wärmeerzeugung Entwicklungsmöglichkeiten. Nicht vergessen werden sollte weiterhin das Energiesparen.

Günter Böhm vom FEEWi dankte Herrn Abele für die bei diesem Solarstammtisch möglichen Einsichten und überreichte ihm das letzte Buch von Hermann Scheer („Der energethische Imperativ“) zur Erinnerung an diesen interessanten Abend.