Denkanstöße

Nachhaltigkeitsprüfung in Baden-Württemberg

Nachhaltigkeit bezieht Ökologie, Ökonomie und Soziales ein. Eine dieser Säulen reicht nicht aus, alle drei müssen betrachtet werden. Das Land Baden-Württemberg verfolgt seit einigen Jahren eine tragfähige Nachhaltigkeitsstrategie. Die Zukunft der Bewohner des Landes Baden-Württemberg steht dabei im Vordergrund. Wie kann das Land nachhaltig gestaltet werden ? Dabei hilft die Nachhaltigkeitsprüfung mit Leitfragen (ab Seite 13) zu konkreten Vorhaben, um so das Morgen zu gestalten. Alle Bereiche der Nachhaltigkeit werden einbezogen. Ein wichtiges Instrument bei der Nachhaltigkeitsprüfung ist das Lexikon der Nachhaltigkeit. Hochinteressant !

Was ist „Graue Energie“ und wie nachhaltig ist sie ?

Die Graue Energie beinhaltet die gesamte Energiemenge, die für die Herstellung und Nutzung eines Konsumgutes aufgewendet wird (Rohstoffe, Transport, Dienstleistungen, Verwendung, Entsorgung usw.). Aber auch die Energie zur Herstellung jeder  Maschine, die dazu eingesetzt wird, gehört zur grauen Energie des Konsumgutes.

  Beispiele (Quelle u.a. Wikipedia):

  • 1 kg Schokolade enthält  2,5 kWh
  • 500 Blatt Kopierpapier chlorfrei gebleicht: 41 kWh
  • Tageszeitung (90 Seiten): 7,5 kWh
  • Herstellung eines Computers: 3.000 Kilowattstunden (plus 1,5 Tonnen Rohstoffe)
  • VW Golf A3 (Ottomotor): rund 18.000 kWh
  • Eine Solaranlage produziert in 25 Jahren 7 mal mehr Energie als die in ihr steckende Graue Energie.

Wird ein Konsumprodukt nicht mehr gebraucht und weggeworfen, wird auch die in ihm gebundene graue Energie weggeworfen. Deshalb sollte man möglichst viele Teile von Konsumgütern recyceln und wieder verwenden. Dann nimmt die Nachhaltigkeit des Konsums zu.

Energiesparen ist möglich – jede Kilowattstunde zählt

Publiziert am 14. Oktober 2010 von Frank Ammann

Von der Lampe bis zur Energiesparpumpe

Jeder deutsche Haushalt verbraucht täglich im Durchschnitt 10 kWh Strom. Dazu kommen 25 kWh beim Autofahren (Jahresstrecke 10000 km, Kurzstreckenverbrauch 12,5 l, tägliche Fahrstrecke 27 km) und 80 kWh (2800 cbm Gas jährlich) beim Heizen und Warmwasser. Da lohnt sich Energiesparen !

Nutzenergie im HaushaltNutzenergie im Haushalt

 

Was kann man mit einer Kilowattstunde Strom alles machen ?

  • Ein Auto verbraucht für jeden Kilometer ca. eine Kilowattstunde.
  • Fahre ich täglich z.B.  5 km mit dem Fahrrad, spare ich im Jahr  an den Werktagen  ca. 1100 kWh.
  • Eine Hundert-Watt-Birne brennt mit 1 kWh Strom zehn Stunden lang.
  • Eine Zehn-Watt-Sparlampe brennt damit hundert Stunden.
  • Ein Computer oder Fernseher verbraucht in sieben Stunden 1 kWh.

Wo nimmt man eine Kilowattstunde Energie her ?

  • Auf einem Hometrainer (100 W Leistung eingestellt) muss man zehn Stunden lang strampeln, um eine Kilowattstunde zu erzeugen.
  • Drei Saftgläser (0,2 Liter) voll mit Holzpellets enthalten eine Kilowattstunde.
  • Die Sonne liefert im Hochsommer auf einen Quadratmeter Boden während 45 Minuten eine Kilowattstunde Energie.
  • In einem Kraftwerk kann man aus einer halben Schaufel (300 Gramm) Steinkohle eine Kilowattstunde Strom erzeugen.
  • In einem Kubikmeter Erdgas stecken zehn Kilowattstunden Energie.

Wie berechnet man den Kilowattstunden-Verbrauch ?

Den Jahresstromverbrauch eines Elektrogeräts in Kilowattstunden (kWh) kann man so leicht ausrechnen. Auf dem Gerät steht die Leistungsaufnahme in Watt (W). Rechnen Sie diesen Wert mal den täglichen Betriebsstunden und mal 365 Tage (oder benutzte Tage) und teilen durch 1000 (1 kWh =1000 Wh). z.B.: Ein Föhn mit 800 Watt, der am Tag eine viertel Stunde läuft, braucht also 800 x 0,25 x 365 : 1000 = 70 kWh Strom.

Eine alte Umwälzpumpe in der Heizung z.B. mit 65 Watt verbraucht in der Heizungsperiode von 210 Tagen  ca. 65 x 24 x 210 : 1000 = 327 kWh bzw. täglich 1,5 kWh. Zum Vergleich eine moderne Hocheffizienz-Umwälzpumpe mit 9 W benötigt (mit Nachtabsenkung bei 18 Stunden Laufzeit täglich) ca. 34 kWh im Jahr oder täglich 0,16 kWh, was 89 % Stromeinsparung entspricht. Weitere Informationen bei http://www.sparpumpe.de.

Da lohnt sich doch der Pumpentausch. Die Gemeinde Winterbach bezuschusst ihn sogar mit 30 €  Prämie. Dazu muss die Pumpe von einem Winterbacher Handwerker eingebaut werden, der den Zuschuss gleich abzieht und ihn mit der Gemeinde abrechnet.Bei 280 € Kosten (inkl. Montage und Prämie) ist die Pumpe innerhalb von 4,5 Jahren durch die Stromeinsparung bezahlt. Danach ist man in der Gewinnzone.

Also gesagt, getan !

Stimmt das ?

Ist Photovoltaik ein Luxusspielzeug für reiche Länder ?

Prof. G. Ganteför behauptete in seinem Vortrag am 27. Februar 2012 bei den Schorndorfer Stadtwerken auf Einladung der CDU Schorndorf  Fotovoltaik ist ein Luxusspielzeug“ für reiche Länder. Leider nahmen die Schorndorfer Nachrichten (29.2., B2) diese polemische Behauptung als große Überschrift, die bei vielen Lesern im Gedächtnis bleiben wird. Die Schorndorfer Stadtwerke werben für Ökostrom und es ist ein merkwürdiger Kontrast dazu, einem Verharmloser des Klimawandels Raum zu geben für seine Thesen. Die CDU möchte die Energiewende voranbringen und lädt dazu Prof. Ganteför ein, der ein Buch zum Thema „Klima – der Weltuntergang findet nicht statt“ geschrieben hat.  Daraus seine Hauptthesen, die an zwanzig Jahre alte Positionen der Energiekonzerne erinnern.

These I :

Für den Umweltschutz muss der Lebensstandard in den wenig entwickelten Ländern angehoben werden. Dazu sind moderne Kohle- und Kernkraftwerke notwendig.

„Leider beschränken sich Ganteförs Ausführungen dazu auf die Erklärung seines Patentrezepts: “Mehr Kohlekraftwerke bedeuten billige Energie, bedeutet Wirtschaftswachstum, bedeutet Rückgang der Geburtenrate”, welches in seiner Simplizität sicherlich verführerisch ist, doch der Komplexität gesellschaftlicher Transformationsprozesse nicht ansatzweise Rechnung trägt (vgl. Carl Friedrich Schleussner, Ganteförs Laienklimatologie unter

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2011-02-15/gantefors-lainenklimatologie)“.

Wenn er die Armut in den unterentwickelten Ländern überwinden möchte durch wirtschaftliche Entwicklung, dann nicht durch immer teurer werdende fossile Energieträger (oder will er die Energie spenden ?), sondern durch angepasste und bezahlbare Technologien wie Solarkocher, Photovoltaik (inkl. Speichern für den Nachtstrom), kleine Biogasanlagen, zahlreiche kleine Windräder und die uralte Wasserkraft usw.
Dann müssen die Mädchen dieser Länder nicht mehr Holz sammeln und Wasser holen usw., sondern können Schulen besuchen, sich qualifizieren und nachgewiesen sinken dann die Geburtenzahlen.

These II:

Die Folgen der Klimaerwärmung sind nicht katastrophal und bringen sogar einige Vorteile.

„Es werden die negativen Folgen des Klimawandels in Deutschland stark übertrieben, und das hat irgendwie so etwas Deutsches an sich, weil im Ausland passiert das nicht, so Prof. Gantförs….In Durban haben im Dezember 2011 193 Staaten (also praktisch alle Staaten der Erde) ein Dokument verabschiedet, das mit folgendem Satz beginnt:

Klimawandel ist eine dringende und möglicherweise unumkehrbare Bedrohung für menschliche Gesellschaften und den Planeten, der dringend von Allen entgegengetreten werden muss.

Anders als Herr Ganteför sehen also praktisch alle Staaten einen dringenden Handlungsbedarf – was Länder wie etwa China, Saudi Arabien und die USA sicher nicht ohne überzeugende Belege anerkennen würden. Deutschland zeichnet sich bei den internationalen Verhandlungen weniger durch die Lust am Untergang als durch die Lust zur Lösung des Problems aus (von Stefan Rahmstorf, Die deutsche Lust am Untergang und der Klimawandel)“  unter

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2012-01-05/die-deutsche-lust-am-untergang-und-der-klimawandel

 

These III.

Für den Umweltschutz sollten gefördert werden: Emissionsarme  Kohlekraftwerke, moderne Kernenergie, Windenergie, Geothermie und Kernfusion. Die Subventionen für Biotreibstoffe, Holzpellets und Solarenergie schaden mehr als dass sie nützen.

Wenn Prof. Ganteförs mit Kernfusionskraftwerken Deutschlands Energieprobleme lösen möchte, dann setzt er auf eine Großindustrie, die voraussichtlich erst nach dem Jahr 2050 kommerziell zur Verfügung stehen wird. Bis dahin ist die Weltbevölkerung um weitere  4 Milliarden gestiegen, wenn keine alternativen Wege beschritten werden. Darin lassen wir uns auch durch solche Thesen nicht beirren.
Schade, dass nicht von Fragen aus dem Publikum berichtet wurde, die ihn hinterfragt hätten. Mit recht bemerkt er selbst, dass er die Zuhörer „deprimiert“.
Beim FEEWi wird er das nicht schaffen !